Ratgeber Vliese

Welches Vlies für meinen Quilt?

Für jeden Quilt die richtige Einlage – Entscheidungshilfe bei der Wahl von Naturfaservliesen.

 

Sie haben Stoffe ausgesucht, geschnitten, genäht, getrennt und wieder genäht– Ihr Top ist endlich fertig, es fehlen nur noch Rückenstoff und Vlies, und schon ist es nicht mehr weit bis zum fertigen Quilt. Doch welches Vlies wählen?

Neben den üblichen Polyestervliesen in allen möglichen Stärken und Größen bietet der Handel auch verschiedene Vliese aus Naturfasern an: Baumwolle, Seide, Schurwolle und Viskose/Bambus. Baumwolle und Viskose sind pflanzliche Fasern, während Schurwolle und Seide Fasern tierischen Ursprungs sind. Welche Einlage würde am besten zu Ihrem Quilt passen? Überlegungen über gewünschte Klimaeigenschaften, Aussehen und Verarbeitungsbedingungen helfen hier, für jeden Quilt die optimale Lösung zu finden.

 

Heiß oder kalt

An erster Stelle steht die Frage nach dem Verwendungszweck ihres Quilts. Wenn der Quilt zum Schlafen oder Kuscheln verwendet werden soll, stehen die Klimaeigenschaften eines Vlieses im Vordergrund. Brauchen Sie einen warmen Quilt für die Übergangszeit oder für die Siesta auf dem Sofa, dann wählen Sie ein Schurwollvlies. Eine eher leichte Decke für die heißen Sommertage erhalten Sie, wenn Sie Baumwolle oder Viskose verwenden. Ebenfalls sehr leicht und anschmiegsam ist ein Seidenvlies, wenn es mit Seidenstoffen verarbeitet wird. Solch ein reiner Seidenquilt erfordert allerdings eine sehr schonende Behandlung, während Quilts mit den anderen Vliesen deutlich robuster sind und in der Waschmaschine gewaschen werden können, sofern die verwendeten Stoffe dies erlauben. Besonders furchtlose Quiltbesitzer muten ihren Baumwollquilts auch den Wäschetrockner zu, was sicherlich eine Überlegung wert ist, wenn ein Quilt im Kinderalltag stark strapaziert wird und häufig gewaschen werden muss.

 

Flach oder bauschig

Wenn Ihr Quilt eher dekorative Funktionen erfüllen soll, etwa als Tagesdecke oder als Wandbehang, stehen die optischen Eigenschaften im Vordergrund. So ist ein Baumwollvlies am besten geeignet, wenn Sie ein sehr flaches Aussehen erreichen möchten. Es existieren im Handel Baumwollvliese, die auf einer hauchdünnen Einlage vernadelt sind und dadurch kaum einlaufen, so dass das flache Aussehen dauerhaft erhalten bleibt. Gelegentlich wird mit demselben Ziel empfohlen, Baumwollvliese vor dem Quilten kalt zu waschen um die Fasern vorzuschrumpfen. Ansonsten, wenn man ein nicht stabilisiertes Vlies wählt, das beim Waschen stärker einläuft, erreicht man den in den USA viel erwähnten „Antik-Look“: Wenn der fertige Quilt gewaschen wird, läuft das Vlies stärker ein als die bereits vorgewaschenen Stoffe, und der Quilt sieht leicht geknautscht oder schrumpelig aus, wie dies bei den alten Quilts aus der Vor-Polyesterzeit der Fall ist.

Wenn Sie ein leichtes, sanftes Relief bevorzugen, dann könnten Seide oder Viskose die richtige Wahl sein. Beide Vliese sind leicht bauschig, betonen das Quilten sehr diskret und fallen sehr schön. Ein sehr deutliches Relief erzielen Sie mit Schurwollvlies. Die hohe Sprungkraft der Wollfasern unterstützt das Spiel von Berg und Tal, Licht und Schatten, und die Quiltlinien können die Oberfläche Ihres Quilts modellieren.

 

Dicht oder locker

Das optische Quiltergebnis hängt nicht nur von der Bauschigkeit des Vlieses ab, sondern auch von der Dichte der Quiltlinien. Auch wenn theoretisch alle Vliese sehr dicht gequiltet werden können, ist dies praktisch nicht immer sinnvoll. So verliert Viskosevlies bei zu dichtem Quilting einen Teil seiner Geschmeidigkeit, Schurwollvlies wird flachgedrückt und kann nicht mehr so gut wärmen. Für diese Vliese gilt ein Nahtabstand von ca. 10cm als angemessen. Baumwoll- und Seidenvliese werden zumeist aus kürzeren Fasern hergestellt, so dass sie einen deutlich niedrigeren Quiltabstand benötigen, oder, mit anderen Worten, sie müssen durch mehr Quiltnähte zusammengehalten werden. Seidenvlies und Baumwollvlies für „Antik-Look“ benötigen einen Quiltabstand von 2-5 cm, während für stabilisiertes, schrumpfarmes Baumwollvlies ein Abstand von 5-10 cm empfohlen wird.

 

Welches Quiltgarn?

Die Wahl des Quiltgarns hängt nur zu einem geringen Teil vom verwendeten Vlies ab, wesentlich entscheidender sind die Stoffe, aus denen der Quilt genäht ist, die Quilttechnik (Hand oder Maschine) sowie die persönlichen Vorlieben. Grundsätzlich lässt sich mit entsprechender Erfahrung jedes Garn mit jedem Vlies verarbeiten. Hilfreich ist es, Baumwollvlies wegen der erhöhten Reibung mit einem besonders glatten, reißfesten Garn zu quilten, etwa mit hochwertigem Quiltgarn aus Baumwolle oder Polyester. Schurwolle und Viskose stellen keine besonderen Ansprüche an das Garn, und ein reiner Seidenquilt fällt besonders schön, wenn er mit einem weichen, feinen Garn gequiltet wird, also mit Seidengarn, aber auch mit den neuen Trilobal-Polyestergarnen (Stickgarn) oder mit dünnem Baumwollgarn.

 

Hand oder Maschine

Schließlich gilt es zu überlegen, ob Sie Ihren Quilt mit der Hand oder mit der Maschine quilten möchten, oder eventuell quilten lassen möchten. Zum Handquilten sollte ein Vlies geschmeidig sein, und Nadel und Faden gut durchlassen. Hier sind Schurwoll- und Seidenvliese hervorragend geeignet. Baumwollvlies ist ebenfalls sehr gut geeignet, allerdings sollte man darauf achten, eine weiche, nicht allzu kompakte Qualität auszuwählen. Manche Baumwollvliese sind so kompakt und dicht, dass es durch die hohe Reibung zwischen Vlies und Faden ausgesprochen mühsam wird, den Quiltfaden durchzuziehen, und die Freude am Handquilten kann einem dabei schnell vergehen. Viskosevlies lässt sich gut quilten, ist jedoch wegen seiner hohen Geschmeidigkeit etwas „rutschig“. Deshalb sollte es wirklich gut geheftet und möglichst mit einem Rahmen gequiltet werden.

Zum Maschinenquilten auf einer Haushaltsnähmaschine sollte ein Vlies möglichst glatt liegen, dem oberen und unteren Stoff eine gute Haftung bieten, und möglichst nicht schieben und rutschen. Kein anderes Vlies vereint diese Eigenschaften so gut wie Baumwollvlies. Wenn das Vlies glatt zwischen Top und Rückenstoff liegt, brauchen Sie es meistens nur noch großzügig zu heften, trotzdem verrutscht nichts während des Quiltvorganges. Schurwoll- und Seidenvlies lassen sich ebenfalls mit der Maschine quilten. Sie sind jedoch erst geübteren Quilterinnen zu empfehlen, weil das Schurwollvlies wegen seines hohen Volumens nicht immer gut unter den Nähfuß passt, und das Seidenvlies leicht rutschig ist, so dass es bevorzugt frei gequiltet werden sollte, damit die Lagen sich nicht gegeneinander verschieben. Da das Viskosevlies noch rutschiger ist als das Seidenvlies, ist es nur sehr geübten Quilterinnen zu empfehlen.

Auf einer Langarm-Quiltmaschine lassen sich alle Naturfaservliese gleichermaßen gut verarbeiten. Wenn Sie also eine professionelle Quilterin mit der Fertigstellung Ihres Tops beauftragen, können Sie Ihr Vlies unabhängig von den Verarbeitungskriterien wählen.

 

©2006-2014 Marie-Christine Chammas

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in Patchwork Professional 03/2006

 

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